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MwSt-Senkung auf Sprit: Was die 7 Prozent wirklich bringen würden

Kanzler Merz verspricht Entlastung bei den Spritpreisen, seine „klare Präferenz" ist eine Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent. Klingt nach viel. Aber was käme an der Zapfsäule wirklich an? Wir haben nachgerechnet — und zeigen, warum die Antwort komplizierter ist als die Schlagzeile.

Worum es geht

Diesel kostet aktuell im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,453 €/Liter, Super E10 liegt bei 2,314 €/Liter — beides Rekordwerte. Vor diesem Hintergrund hat Bundeskanzler Friedrich Merz „sehr bald" einen Vorschlag zur Entlastung angekündigt. Im Gespräch ist vor allem eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe von 19 auf 7 Prozent, wie sie Unionsfraktionschef Thorsten Frei und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche vorgeschlagen haben.

Die entscheidende Frage für Autofahrer ist simpel: Wie viel billiger würde Tanken dadurch? Rechnen wir es sauber durch.

So funktioniert die Mehrwertsteuer beim Sprit

Der Preis an der Zapfsäule ist ein Bruttopreis — die Mehrwertsteuer ist bereits enthalten. Sie liegt mit 19 Prozent auf dem Nettopreis „oben drauf". Um zu berechnen, was eine Senkung bringt, muss man den Preis also zuerst in seinen Nettoanteil zerlegen:

Nettopreis = Bruttopreis ÷ 1,19

Auf diesen Nettopreis wird dann der neue, niedrigere Satz von 7 Prozent aufgeschlagen. Die Differenz zwischen altem und neuem Bruttopreis ist die Ersparnis. Wichtig: Da die Senkung prozentual auf den Nettopreis wirkt, fällt die absolute Ersparnis bei teurerem Sprit höher aus — und sie beträgt in jedem Fall rund 10,1 Prozent des heutigen Bruttopreises.

Was bei den aktuellen Preisen herauskäme

Kraftstoff
Heute (19 %)
Mit 7 %
Ersparnis
Diesel
2,453 €
2,206 €
−24,7 ct
Super E10
2,314 €
2,081 €
−23,3 ct

Rund 23 bis 25 Cent pro Liter — das ist die theoretische Entlastung. Aber eben nur theoretisch, denn dahinter stehen drei große „Wenn".

Ihr persönlicher Spar-Rechner

Wie viel Sie tatsächlich sparen würden, hängt von Ihrem Verbrauch ab. Tragen Sie Ihre Werte ein:

Ihre mögliche Ersparnis
— € pro Monat
— € pro Jahr
bei einer Senkung von 19 % auf 7 %, sofern sie voll an der Zapfsäule ankommt

Wenn Nr. 1: Ist das überhaupt erlaubt?

Die europäische Mehrwertsteuerrichtlinie lässt keinen ermäßigten Steuersatz auf Kraftstoffe zu. Spanien senkte im Frühjahr den Satz auf Benzin und Diesel vorübergehend von 21 auf 10 Prozent — und bekam prompt Post aus Brüssel: Die EU-Kommission stellte ein Vertragsverletzungsverfahren in Aussicht. Auch Polen fing sich im Sommer eine entsprechende Warnung ein. Eine deutsche Senkung könnte also am EU-Recht scheitern, bevor auch nur ein Cent bei den Autofahrern ankommt.

Wenn Nr. 2: Kommt die Senkung wirklich an der Zapfsäule an?

Eine Steuersenkung verpflichtet die Mineralölkonzerne nicht, den vollen Betrag weiterzugeben. Sie könnten einen Teil der Differenz als Marge einbehalten — gerade in einem ohnehin volatilen Marktumfeld mit starken Tagesschwankungen fällt so etwas kaum auf. Genau hier setzt unser Ansatz an: Mit tagesaktuellen Echtzeitdaten von über 14.500 Tankstellen ließe sich nach einer echten Senkung live nachmessen, ob die 23 bis 25 Cent tatsächlich an der Säule ankommen. Diese Kontrolle kann keine Steuerpolitik ersetzen — aber sie schafft Transparenz.

Wenn Nr. 3: Wer profitiert eigentlich?

Eine MwSt-Senkung hilft nur Privatpersonen. Vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen — also ein großer Teil des Transportgewerbes — zahlen beim Tanken ohnehin nur den Nettopreis und lassen sich die Mehrwertsteuer erstatten. Für sie ändert eine Senkung nichts. Das räumt selbst Wirtschaftsministerin Reiche ein. Zusätzliche Entlastungen für den Mittelstand und Direktzahlungen für einkommensschwache Haushalte werden deshalb separat diskutiert.

Und der Preis für den Staat?

Das Bundesfinanzministerium schätzt die Kosten einer dreimonatigen Senkung auf 2,3 bis 2,5 Milliarden Euro. Erschwerend kommt hinzu: Die Hälfte der Mehrwertsteuereinnahmen steht den Ländern zu — eine Senkung müsste also mit allen 16 Ministerpräsidenten abgestimmt werden. Eine Gegenfinanzierung liegt bislang nicht auf dem Tisch. Innerhalb der Koalition ist entsprechend umstritten, ob es die MwSt-Senkung, eine Übergewinnsteuer für die Ölkonzerne oder einen Preisdeckel geben soll.

Unser Fazit

Rein rechnerisch würde eine Senkung von 19 auf 7 Prozent den Liter um rund 23 bis 25 Cent verbilligen — spürbar, aber kein Preissturz. Ob dieser Betrag jemals bei Autofahrern ankommt, hängt an drei offenen Fragen: dem EU-Recht, der Weitergabe durch die Konzerne und der Frage, wer überhaupt profitiert. Bis diese geklärt sind, bleibt das Versprechen genau das — ein Versprechen.

Was Sie heute schon konkret sparen können: den Preissprung zur Mittagszeit umgehen. Nach 12 Uhr wird Sprit oft um mehr als 20 Cent pro Liter teurer, am günstigsten ist Tanken meist am späten Vormittag. Wann sich das Tanken lohnt, zeigt Ihnen die App von benzin.jetzt in Echtzeit — unabhängig davon, was die Politik entscheidet.

Preisangaben: bundesweiter Tagesdurchschnitt, Stand 17.09.2026. Berechnung der Ersparnis: Bruttopreis ÷ 1,19 × 1,07. Die tatsächliche Entlastung setzt voraus, dass eine Senkung rechtlich zulässig ist und vollständig weitergegeben wird.

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Quellenhinweis: Die Daten stammen von der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K) beim Bundeskartellamt. Journalisten und Redaktionen können alle Daten unter Quellenangabe „benzin.jetzt" frei verwenden. Kontakt: oliver@benzin.jetzt