Erste Studie zur 12-Uhr-Regel: Preise sind transparenter — aber gestiegen
Die 12-Uhr-Regel sollte den Spritmarkt transparenter machen — und die Verbraucher entlasten. Jetzt liegt die erste wissenschaftliche Auswertung vor. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die Transparenz ist besser geworden. Aber die Preise sind gestiegen.
Forscher des ZEW Mannheim und des DICE Düsseldorf (Prof. Justus Haucap, einer der renommiertesten Wettbewerbsökonomen Deutschlands) haben die Preisdaten von rund 15.000 deutschen Tankstellen in den ersten zwei Wochen nach Inkrafttreten der 12-Uhr-Regel analysiert. Ihre Studie „Predictable Prices, Higher Margins?" liefert erstmals belastbare Zahlen.
Die Forscher rechnen nicht mit den Zapfsäulenpreisen, sondern mit den Margen — also dem Anteil des Preises, der nach Abzug von Steuern und Großhandelskosten bei den Tankstellen bleibt. Und dieser Anteil ist nach der Reform messbar gestiegen. Die Regel hat nicht zu niedrigeren Preisen geführt. Eher im Gegenteil.
Was die Wissenschaft sagt — und was unsere Daten zeigen
Die ZEW-Studie deckt die ersten zwei Wochen ab (1.–15. April). Unsere Echtzeit-Daten reichen inzwischen über drei Wochen — und zeigen, dass sich der Trend verstärkt hat. Der tägliche 12-Uhr-Spike ist von anfangs 7 Cent auf zuletzt über 15 Cent gestiegen.
Wichtig: Die ZEW-Studie misst den durchschnittlichen Margenanstieg über den ganzen Tag. Unser Spike-Monitor misst den Peak-Moment um 12 Uhr. Beides sind unterschiedliche Perspektiven auf dasselbe Phänomen — und beide bestätigen: Die Konzerne nutzen die neue Regel, um ihre Margen zu erhöhen.
Fünf Erkenntnisse aus der Studie
1. Die Transparenz hat sich verbessert
Vor der Reform gab es sieben bis acht Preiserhöhungen pro Tag — für Verbraucher war es nahezu unmöglich, den günstigsten Zeitpunkt zum Tanken zu finden. Jetzt gibt es nur noch einen: um 12 Uhr. Das macht den Markt berechenbarer, auch wenn die Preise nicht gesunken sind.
2. Die günstigste Tageszeit: 7 bis 12 Uhr
Die Forscher bestätigen, was wir auf benzin.jetzt seit dem ersten Tag zeigen: Die Preise sind morgens am niedrigsten, mit dem Tiefpunkt zwischen 7 und 11 Uhr. Nach dem Mittagssprung liegen sie bis zum Nachmittag deutlich über dem Tagesdurchschnitt und sinken abends wieder — aber nicht auf das Morgenniveau zurück.
3. Kleine Tankstellen schlagen stärker zu als große Marken
Ein überraschendes Ergebnis: Nicht die großen Konzerne erhöhen am aggressivsten, sondern die kleinen und unabhängigen Tankstellen. Marken wie ARAL, Shell und JET zeigen einen um rund 0,8 Cent geringeren Margenanstieg als kleine Anbieter. Die Forscher erklären das damit, dass große Marken sich stärker beobachtet fühlen und daher vorsichtiger agieren.
Unsere eigenen Daten bestätigen das teilweise: In unserem Marken-Ranking liegt ARAL mit +5 bis +7 Cent am unteren Ende der Skala, während einige kleinere Ketten Aufschläge von über 20 Cent zeigen.
4. Süddeutschland ist am stärksten betroffen
Die Margenerhöhung ist regional sehr unterschiedlich: In Süddeutschland (Bayern, Baden-Württemberg) steigen die Benzin-Margen um zusätzliche 1,2 Cent und die Diesel-Margen sogar um 2,4 Cent stärker als im Westen. Ostdeutschland zeigt bei Benzin ebenfalls höhere Aufschläge, bei Diesel dagegen kaum.
Auch das passt zu unserem Stadt-Ranking: Freiburg und Augsburg (beide Süddeutschland) führen die Liste der teuersten Großstädte an.
5. Bei Diesel kein klarer Effekt — aber unsere Daten sagen etwas anderes
Die ZEW-Studie findet bei Diesel-Margen keinen statistisch signifikanten Effekt. Die Forscher vermuten, dass der Diesel-Markt durch den Iran-Krieg so stark durcheinandergewirbelt wurde, dass der Reformeffekt im Rauschen untergeht. Unsere aktuelleren Daten aus Woche 3 und 4 zeigen allerdings, dass die Diesel-Spikes inzwischen sogar höher sind als beim Benzin — mit Rekordwerten von über 17 Cent am 24. April.
Was bedeutet das für Autofahrer?
Die Studie bestätigt zwei Dinge, die für jeden Autofahrer relevant sind:
Erstens: Die 12-Uhr-Regel hat die Preise nicht gesenkt. Im Gegenteil — die Konzerne haben die Berechenbarkeit genutzt, um ihre Margen zu erhöhen. Das liegt daran, dass vorhersagbare Preise nicht nur den Verbrauchern helfen, sondern auch den Tankstellen: Wenn jeder weiß, was der andere tut, wird stillschweigende Koordination einfacher.
Zweitens: Die Regel hat den Markt trotzdem transparenter gemacht — und genau das ist der Hebel für Verbraucher. Wer die neue Tagesstruktur kennt und vor 12 Uhr tankt, spart jeden Tag bares Geld. Das war vor der Reform schwieriger, weil die Preise sieben- bis achtmal am Tag sprangen und niemand wusste, wann der nächste Tiefpunkt kommt.
Was benzin.jetzt daraus macht
Unsere Aufgabe ist es, die Transparenz, die die 12-Uhr-Regel geschaffen hat, für Verbraucher nutzbar zu machen. Die Wissenschaft sagt: Der Markt ist jetzt berechenbarer. Wir sagen: Dann nutzt das aus.
Auf benzin.jetzt/livedaten zeigen wir in Echtzeit den täglichen 12-Uhr-Spike, das Marken-Ranking und den Tagesverlauf. Auf der Startseite gibt es eine klare Empfehlung: Jetzt tanken oder warten. Und ab dem 1. Mai zeigt unser Steuer-Transparenz-Monitor, ob die angekündigte Steuersenkung von 17 Cent tatsächlich an der Zapfsäule ankommt.
Die Studie ist eine Bestätigung: Die Daten, die wir seit dem 1. April sammeln, erzählen dieselbe Geschichte wie die Wissenschaft — nur in Echtzeit. Und mit einer klaren Handlungsempfehlung: Vor 12 Uhr tanken.
Studie: Leona Jung, Jacob Schildknecht, Leonard Gregor, Justus Haucap: „Predictable Prices, Higher Margins? Early Evidence on Germany's 12 o'clock Fuel Regulation", ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung / DICE Düsseldorf, April 2026. Eigene Daten: benzin.jetzt Spike-Monitor, 435 Mustertankstellen, 1.–26. April 2026. Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K) beim Bundeskartellamt.
