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Weniger als 5 Cent pro Liter: Was vom Rekord-Spritpreis wirklich bei der Tankstelle bleibt

Diesel kostet aktuell im Schnitt 2,30 Euro pro Liter. An den teuersten Tankstellen sind es fast 2,75 Euro. Doch wer verdient eigentlich an diesen Rekordpreisen? Die Antwort überrascht: Der Tankstellen-Pächter ist es jedenfalls nicht.

Weniger als 5 Cent für den Pächter

Tankstellen-Pächter erhalten nach Branchenangaben weniger als 5 Cent pro Liter als Provision — und zwar unabhängig davon, ob der Liter 1,50 oder 2,75 Euro kostet. Die Preise werden nicht vor Ort gemacht, sondern von den Zentralen der Mineralölkonzerne gesteuert — oft mit mehreren Änderungen pro Stunde.

Ein Frankfurter Tankstellen-Pächter mit 40 Jahren Branchenerfahrung erinnert sich an Zeiten, als er die Preise noch per Hand an der Tafel austauschen musste: „Früher haben sich die Preise zum Glück nur einmal pro Woche geändert, jetzt sind es oft drei Änderungen pro Stunde.“

Wohin fließt das Geld wirklich?

Die folgende Aufschlüsselung zeigt, wie sich der aktuelle Durchschnittspreis zusammensetzt — am Beispiel von Diesel und Super E10, basierend auf den aktuellen Echtzeitdaten von benzin.jetzt.

Energiesteuer 47,04 ct Diesel (Benzin: 65,45 ct)
CO₂-Abgabe ∼20 ct 55–65 €/t, Stand 2026
Mehrwertsteuer 19% Auch auf andere Steuern
Pächter-Provision < 5 ct Unabhängig vom Preis

Bei Super E10 (Ø 2,05 €) gehen rund 57 Prozent an den Staat: 65,45 Cent Energiesteuer, ca. 18,6 Cent CO₂-Abgabe und gut 33 Cent Mehrwertsteuer. Für Produkt und Vertrieb bleiben etwa 89 Cent.

Bei Diesel (Ø 2,30 €) liegt der Steueranteil bei rund 45 Prozent: 47,04 Cent Energiesteuer, ca. 20,5 Cent CO₂-Abgabe und rund 37 Cent Mehrwertsteuer. Für Produkt und Vertrieb bleiben ca. 1,26 Euro — darin enthalten: Rohölbeschaffung, Raffinerie, Logistik, die Marge des Konzerns — und die weniger als 5 Cent für den Pächter.

Die vollständige Aufschlüsselung mit interaktivem Diagramm — live berechnet für den aktuellen Durchschnittspreis — findet sich auf dem benzin.jetzt Tankstellen-Pranger.

„Viele denken, es hätte mit uns zu tun“

Tankstellen-Mitarbeiter berichten, dass Kunden nach dem Preissprung wütend reagierten — in dem Glauben, die Tankstelle selbst würde von den hohen Preisen profitieren. Die Realität ist eine andere: Selbst freie Tankstellen gehören meist zu Verbünden, die den Einkauf zentral organisieren. Das Risiko, große Mengen Sprit auf Vorrat zu kaufen, ist für kleine Unternehmen angesichts der Preisschwankungen schlicht zu groß.

Ein Stationsleiter einer Shell-Tankstelle in Frankfurt sagt, er selbst werde mit dem Tanken lieber noch warten: „Meistens ist es nachmittags ja günstiger.“ Ob das so bleibe, wenn künftig Preise nur noch einmal täglich um 12 Uhr erhöht werden dürfen, sei allerdings unsicher.

Wiederbeschaffungswert vs. Einkaufspreis

Ein wichtiges Detail: Die Preise an den Zapfsäulen richten sich nicht nach dem Einkaufspreis des Sprits, der bereits im Tank lagert, sondern nach dem Wiederbeschaffungswert — also dem aktuellen Marktpreis für die nächste Lieferung. Das erklärt, warum die Preise nach dem Beginn des Iran-Konflikts so schnell stiegen, obwohl der Sprit in den Tanks noch zum alten Preis eingekauft worden war.

Branchenkenner halten den Preissprung dennoch für „nicht vollständig erklärbar“. Auch das Bundeskartellamt hat in seiner Sektoruntersuchung dokumentiert, dass die großen Konzerne ihre Preise algorithmisch optimieren — zu Lasten der Verbraucher.

13 Cent Unterschied — bei identischer Qualität

Unsere Echtzeit-Analyse von fast 3.000 Tankstellen in 50 Großstädten zeigt: Zwischen der teuersten und der günstigsten Marke liegen aktuell 13 Cent pro Liter — bei identischer Kraftstoffqualität (alle erfüllen EU-Norm EN 228/EN 590). An Autobahn-Tankstellen zahlt man im Schnitt sogar 43 Cent mehr als im Stadtgebiet.

Der Pächter kann an diesen Unterschieden nichts ändern. Aber der Verbraucher kann wählen.

„Die Tankstelle vor Ort verdient fast nichts am Sprit. Trotzdem können Autofahrer bei jeder Tankfüllung 5 bis 20 Euro sparen — durch die richtige Marke, die richtige Uhrzeit und indem sie die Autobahn meiden. Die Marge kassieren die Konzerne, nicht die Pächter.“ Oliver Wagner, Gründer von benzin.jetzt

Was Autofahrer tun können

Uhrzeit beachten: Die Preise schwanken im Tagesverlauf um bis zu 10 Cent. Zwischen 18 und 22 Uhr ist es typischerweise am günstigsten. Mit dem geplanten Tankstellen-Gesetz (Preiserhöhung nur noch einmal täglich um 12 Uhr) wird dieses Muster noch klarer.

Freie Tankstellen nutzen: JET, Star, HEM und Supermarkt-Tankstellen sind systematisch günstiger als ARAL, Shell oder ESSO. Die Qualität ist per EU-Norm identisch.

Vor der Autobahn tanken: Wer an der Raststätte tankt, zahlt aktuell über 21 Euro mehr pro Tankfüllung als nötig.

Alle aktuellen Preise, das Marken-Ranking und die Steueraufschlüsselung mit interaktivem Diagramm gibt es auf dem Tankstellen-Pranger.

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Quellenhinweis: Die Daten stammen von der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K) beim Bundeskartellamt. Journalisten und Redaktionen können alle Daten unter Quellenangabe „benzin.jetzt" frei verwenden. Kontakt: oliver@benzin.jetzt