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Droht Deutschland der Sprit-Mangel? Was die Daten wirklich zeigen

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche warnt: Wenn der Iran-Krieg nicht endet, drohen Deutschland ab Ende April Versorgungsengpässe bei Kraftstoffen. Die BILD titelt „Sprit-Mangel“. Aber wie ernst ist die Lage tatsächlich? Wir haben die Fakten geprüft, die Quellen verglichen — und unsere eigenen Echtzeit-Daten dagegen gehalten.

Hintergrund: Seit dem Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar ist die Straße von Hormus — eine der wichtigsten Seerouten für den globalen Öltransport — praktisch blockiert. Täglich fehlen rund 20 Millionen Barrel Öl auf dem Weltmarkt. Die Spritpreise in Deutschland sind seitdem um über 30 Prozent gestiegen. Die BILD berichtet über die Warnungen der Ministerin.

Was stimmt: Die Lage ist ernst

Die Fakten sind real und beunruhigend. Laut IEA-Chef Fatih Birol gehen seit Kriegsbeginn rund 11 Millionen Barrel pro Tag auf dem Weltmarkt verloren. Die IEA-Mitgliedsländer haben daraufhin 400 Millionen Barrel aus ihren strategischen Reserven freigegeben — die größte Freigabe in der Geschichte der Organisation. 19,5 Millionen Barrel kommen aus deutschen Reserven.

Fehlende Menge/Tag 11 Mio. Barrel IEA, seit Kriegsbeginn
IEA-Reservefreigabe 400 Mio. Barrel Größte Freigabe aller Zeiten
Dt. Straß. Reserve 90 Tage Gesetzliche Mindestbevorratung
Dt. Anteil Nahost-Öl ∼6 % BAFA, Importstatistik 2025

Was relativiert: Deutschland ist besser aufgestellt als viele denken

Bevor Panik ausbricht, lohnt ein Blick auf die Versorgungsstruktur. Deutschland bezieht sein Rohöl längst nicht mehr hauptsächlich aus dem Nahen Osten. Nach Angaben des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) kommen rund 22 Prozent aus Norwegen, 18 Prozent aus den USA, 15 Prozent aus Kasachstan und 11 Prozent aus Libyen. Nur etwa 6 Prozent stammen direkt aus der Region, 10 bis 15 Prozent der Importe laufen über die Straße von Hormus.

Die Energieexpertin Claudia Kemfert bestätigt: Deutschland sei „ganz gut aufgestellt, weil es die Öl- und Gasbezüge diversifiziert hat“. Akute Versorgungsengpässe seien derzeit nicht absehbar. Die strategische Ölreserve reicht für mindestens 90 Tage.

Der Mineralölverband Fuels und Energie bestätigt ebenfalls: Aktuell drohen keine Lieferengpässe bei Benzin, Diesel oder Heizöl. Aber: Sollte sich die Hormus-Blockade nicht entspannen, verschärfe sich der globale Wettbewerb um das verfügbare Angebot.

Die zwei Szenarien

Szenario 1 — Krieg endet bald: Berichten zufolge hat die US-Regierung über Pakistan einen 15-Punkte-Plan vorgelegt, der eine Waffenruhe vorsieht. Erste Gerüchte darüber ließen den Ölpreis Ende März kurzzeitig um 5 Prozent fallen. In diesem Fall normalisieren sich die Preise schrittweise — aber nicht über Nacht.

Szenario 2 — Krieg dauert an: Ministerin Reiche warnt für diesen Fall vor Mengenengpässen ab Ende April. Die freigegebenen deutschen Reserven (19,5 Mio. Barrel) decken den deutschen Verbrauch für knapp 10 Tage. Berichte über iranische Seeminen in der Straße von Hormus verschärfen die Sorge — selbst bei einem Waffenstillstand müssten die Minen erst geräumt werden.

Was unsere Daten zeigen

Unabhängig davon, ob es zu physischen Engpässen kommt: Die Preissituation ist bereits jetzt außergewöhnlich. Unsere Echtzeit-Analyse von über 1.800 Tankstellen zeigt:

Diesel Ø aktuell 2,226 € benzin.jetzt, 26.3.
Preisschere 68 ct Min 2,069 — Max 2,749
Diesel vor dem Krieg ∼1,72 € ADAC, Feb. 2026
Anstieg seit Kriegsbeginn +50 ct +29 % in 4 Wochen

Diesel kostet heute im Schnitt rund 50 Cent mehr als vor dem Krieg. An den teuersten Tankstellen werden 2,749 Euro verlangt. Und: Die Preisschere von 68 Cent zwischen günstigster und teuerster Tankstelle zeigt, dass der Markt extrem unterschiedlich auf die Krise reagiert. Wer vergleicht, spart bei jeder Tankfüllung bis zu 34 Euro.

Was Autofahrer jetzt tun sollten — und was nicht

Nicht hamstern. Das ist das Wichtigste. Hamsterkäufe an Tankstellen verschärfen genau das Problem, vor dem alle warnen. Die Versorgung ist aktuell gesichert. Wer jetzt aus Angst den Tank plus drei Kanister füllt, sorgt für künstliche Engpässe an den Zapfsäulen — und treibt die Preise weiter nach oben.

Preise vergleichen — jetzt erst recht. Bei 68 Cent Preisschere ist der Unterschied zwischen der richtigen und der falschen Tankstelle so groß wie nie. benzin.jetzt zeigt in Echtzeit, wo der günstigste Preis ist. Abends tanken (18–22 Uhr) spart zusätzlich 5–10 Cent pro Liter.

Ab April: 12-Uhr-Regel nutzen. Das neue Kraftstoffpreisanpassungsgesetz tritt in Kürze in Kraft. Preiserhöhungen nur noch einmal täglich um 12 Uhr. Morgens tanken wird damit zur Regel — benzin.jetzt zeigt den Countdown.

Autobahn meiden. An Autobahnstationen zahlt man aktuell fast 50 Cent mehr als im Stadtgebiet. Bei einer Tankfüllung sind das über 23 Euro Mehrkosten — in der aktuellen Lage ist das schlicht nicht vertretbar.

„Die größte Gefahr für die Versorgung sind nicht fehlende Tanker, sondern Panikkkäufe an der Zapfsäule. Wer aus Angst hamstert, schafft den Engpass, den er fürchtet. Die Versorgung ist gesichert — die Preise sind das Problem. Und genau da hilft Preisvergleich: 68 Cent Unterschied pro Liter, das sind 34 Euro pro Tankfüllung. Das nimmt kein Gesetz und keine Krise jemandem ab.“ Oliver Wagner, Gründer von benzin.jetzt

Quellen & Methodik

Preisdaten: Echtzeit-Preismeldungen der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K) beim Bundeskartellamt, 26. März 2026. Versorgungsdaten: BAFA-Importübersicht 2025, IEA-Pressemitteilung zur Reservefreigabe (März 2026), Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE). Expertenzitate: Prof. Claudia Kemfert (DIW Berlin), Mineralölverband Fuels und Energie e.V.

Berichterstattung: BILD, 26. März 2026 | Bundesregierung | BMWE

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Quellenhinweis: Die Daten stammen von der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K) beim Bundeskartellamt. Journalisten und Redaktionen können alle Daten unter Quellenangabe „benzin.jetzt" frei verwenden. Kontakt: oliver@benzin.jetzt